Grünkohl mit Grünkernbratlingen und Kartoffeln

Grünkohl ohne Mettenden und Kassler konnte ich mir zunächst garnicht vorstellen – und das geht sehr vielen so. Mittlerweile mag ich ihn jedoch sogar viel lieber pur! Ich habe einmal aus Interesse eine kleine Gabel vom Grünkohl der anderen im Vergleich probiert – er hat nur nach Fleisch geschmeckt! Dabei hat Grünkohl so ein kräftiges, gutes eigenes Aroma – viel zu schade, es so völlig zu überdecken! Mein Grünkohl hat übrigens auch den Fleischessern gut geschmeckt :).

Für den Grünkohl

1 Zwiebel fein würfeln, in
3 EL Rapsöl glasig anbraten bis sie leicht bräunt.
2 Gläser Wasser (á 0,2l) dazugießen, mit
2 EL Gemüsebrühe,
1 TL Rauchsalz und
1 TL Zucker würzen.
~750-800g frischen Grünkohl (das sind etwa 3 Pflanzen) kleinschneiden. Hierzu die einzelnen Blätter vom Stamm trennen, an den Rippen längs halbieren und danach die Blätter in dünne Streifen schneiden. Kleingeschnittenes in den Topf geben, neues jeweils direkt unterrühren. Durch das Nach-und-Nach-Hineingeben sackt der zuerst in den Topf gegebene Grünkohl schon zusammen, wodurch ein nicht ganz so großer Topf benötigt wird. Wenn aller Grünkohl im Topf ist, noch etwa eine halbe Stunde auf niedriger Stufe köcheln lassen. Dabei zwischendurch noch etwa
1,5 Gläser Wasser hinzugeben. Kurz vor Ende der Garzeit
~4-5 EL Haferflocken unterrühren, die das restliches Wasser binden und für eine angenehme Konsistenz sorgen. Alternativ hierzu kann – wie in Norddeutschland üblich – Hafergrütze verwendet werden, die jedoch schon einige Zeit vorher dazugegeben werden muss, da sie erst garkochen muss.
Für den Alltag reicht die Menge für etwa 4 Personen, für ein richtiges Grünkohlessen für zwei.

In der Zwischenzeit
gute Kartoffeln aufsetzen oder aus gekochten Kartoffeln vom Vortag Bratkartoffeln zubereiten. Ich denke, dass sich ein Rezept für Bratkartoffeln wohl eigentlich erübrigt ;). Für Kochanfänger hier jedoch trotzdem eine Kurzfassung: aromatische festkochende oder vorwiegend festkochende Kartoffeln wählen, grob würfeln. Auf circa 750g Kartoffeln etwa 1 große oder 2 kleine Zwiebeln nehmen. Diese fein würfeln. Ordentlich Rapsöl in einer möglichst gusseisernen Pfanne erhitzen, die Kartoffelwürfel hinzugeben, anbraten, bis sie eine schöne, noch helle Kruste haben, wenden, mehrfach wiederholen. Wenn die Kartoffeln schon schön gebräunt sind, die Zwiebelwürfel hinzugeben, nochmals etwas Öl nachgießen, gut verrühren. Während der letzten Umrührvorgänge wiederholt kräftig salzen. Bei Bratkartoffeln nie an Öl und Salz geizen ;). Optional kann Räuchertofu in kleine Würfel geschnitten und ganz zu Beginn knusprig angebraten werden. Ich finde es praktisch, gleich eine ganze Packung zuzubereiten, die knusprigen Würfel dann aus der Pfanne zu nehmen und im Kühlschrank aufzubewahren. Sie passen an verschiedenste Gerichte. Gegen Ende dann die gewünschte Menge an die Kartoffeln geben.

 

für die Grünkernbratlinge

300g kalten gekochten Grünkernschrot vom Vortag* gründlich mit
1/2 Zwiebel (feingewürfelt)
1 EL Gemüsebrühe und
1/2 TL Salz,
frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer sowie
2 EL Mehl vermengen. Evtl. zusammenhängende Grünkern-Stücke fein zerbröseln. Nach Geschmack pur lassen oder mit
Majoran (~1 TL auf 500g Bratlingsmasse) und
frisch gemahlener Muskatnuss würzen, gründlich verrühren.
~2 EL Wasser hinzugeben, bis die Masse eine gute Bindung hat – Zum Testen einfach einen Probebratling formen. Hält der Bratling noch nicht gut zusammen, je nach Bedarf noch etwas Mehl oder Wasser hinzufügen. Flache, eher kleine Bratlinge formen und in nicht zu wenig
Rapsöl bei mittlerer Stufe anbraten, bis sie eine schöne Kruste gebildet haben. Erst dann umdrehen und die andere Seite ebenfalls gut bräunen, weiteres Öl nachgießen. Daran denken: die Bratlinge selbst sind fettfrei, deshalb bitte nicht beim Anbraten unnötig am Öl sparen – alle Bratlinge schmecken viel besser, wenn sie in reichlich Öl gebraten werden.

* Die Bratlinge können auch mit frisch gekochtem Grünkernschrot zubereitet werden, was aber deutlich weniger praktisch ist, da die Masse in diesem Fall sehr heiß ist und auch andere Bindeeigenschaften hat. Ich persönlich esse z.B. gerne als sehr schnelles, unkompliziertes Essen Grünkernschrot mit Zucchini und Tomaten: http://www.veggietag-hall.de/2012/09/03/annes-veggietag-vormittag-mittag/ (was allerdings im Sommer mit aromatischen Tomaten wesentlich besser schmeckt) und koche dabei nicht nur die für zwei Leute benötigte Menge, sondern gleich eine ganze 500g-Packung Grünkernschrot. Aus dem Rest mache ich dann am nächsten oder übernächsten Tag Bratlinge.

Tipp: Grünkern ist unreif geernteter, gedarrter Dinkel. Er hat einen intensiven, würzigen Eigengeschmack, der nicht mit anderem Getreide vergleichbar ist. Die Intensität hängt dadurch jedoch etwas von der Behandlung und damit von der Marke ab. Ich persönlich mag den würzigen Grünkerngeschmack so gerne, dass ich ihn am liebsten garnicht mit Gewürzen überdecke. Insbesondere bei milderen Sorten ist jedoch eine Würzung mit Majoran + frisch gemahlener Muskatnuss sehr lecker. Die Bratlinge können auch ganz einfach so gewürzt werden, wie man es von Fleischküchle gewohnt ist.

 

 

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