HT Interview Anna

Anna Böhm

Alter

26

Wohnort

Schwäbisch Hall

Schule und Ausbildung oder Beruf

Schule: Erasmus Widmann Gymnasium, danach Studium als Diplom-Pädagogin, welches ich im Dezember abschließen werde.

Hobbys

Cheerleading-Trainerin, in meiner Rockband singen, mit meinem Hund lange Spaziergänge machen, lesen und natürlich kochen!

Seit wann vegan?

Januar 2011

Warum?

Weil ich viele Infos bekommen habe. Ich habe vorher z.B. nicht gewusst, dass Kühe nicht die ganze Zeit Milch geben und dass die männlichen Küken bei der Eierproduktion getötet werden müssen. Außerdem habe ich damals das Buch „Tiere Essen“ gelesen und mich allgemein verstärkt mit Ethik beschäftigt. Da war „vegan“ die einzig logische Konsequenz.

Vorbilder, kanntest du schon jemand?

Eine Studienkollegin, die schon vegan war, hat über Facebook Infos gepostet, aber auch Rezepte. Sonst wäre ich vermutlich gar nicht darauf gekommen.

Bist du alleine oder mit anderen zusammen vegan geworden?

Alleine, aber meine Mutter hat schon sehr bald mitgezogen, weil ich immer so leckere Sachen gekocht habe und sie im Grund meine Einstellung teilte, jedoch nicht bereit war, die Konsequenzen umzusetzen.

Was sagen deine Freunde dazu?

Meine Freunde finden es gut und akzeptieren meine Ernährung. Sie geben sich auch oft viel Mühe, etwas für mich zuzubereiten oder zu kaufen, das ich essen kann. Blöde Sprüche kommen dann eher aus der „männlichen Fraktion“ und v.a. bei Grillfesten, etc., wo das Essen eben im Mittelpunkt steht.

Warst du vorher Vegetarier?

Ja, seit meinem 12. Lebensjahr.

War die Umstellung schwer?

Anfangs habe ich Lebensmitteln wie Käse oder Eiern hinterher getrauert, aber ich fand die Umstellung eigentlich eher spannend als schwer, da ich so viele neue Lebensmittel und Gerichte entdeckt habe. Da ich ganz schnell vegane Lieblingsgerichte hatte, habe ich die alten schon bald nicht mehr vermisst oder sie eben auf „vegan“ umgestellt, was mit den meisten Rezepten (außer Spiegelei vielleicht) ziemlich gut funktioniert.

Ist es (weiterhin) schwer? Hinderlich?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin froh, den Schritt getan zu haben und es macht einfach Spaß! Auch beim Essen gehen hatte ich fast nie Probleme. Die meisten Köche sind schnell bereit, etwas Veganes zuzubereiten, v.a. wenn man sich ankündigt. Gerade beim Italiener, Inder oder Chinesen ist vegan essen ganz einfach. Um deutsche Restaurants mache ich eher einen Bogen, da hier viel mit unveganen Produkten gearbeitet wird. Wenn ich unterwegs bin, nehme ich mir meistens etwas mit, das nervt manchmal. Allerdings macht es Spaß, in größeren Städten nach vegetarischen oder veganen Restaurants zu suchen (die immer häufiger werden). So lernt man viele neue Gerichte und auch die Stadt kennen! :-) Ich informiere mich vor solchen Trips immer im Internet.

Was vermisst du am meisten?

Richtig vermissen tue ich gar nichts. Allerdings würde ich mich sehr freuen, wenn es eines Tages einen richtig leckeren, schmelzenden veganen Käse zum Überbacken gäbe, der Fäden zieht. :-)

Bist du schon mal schwach geworden? Machst du Ausnahmen?

Einmal bin ich schwach geworden und habe auf einem Fest bei meinem Freund Käsespätzle mitgegessen. Aber ansonsten mache ich keine Ausnahmen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich bei Wein, Essig, Kleber, etc. nicht so sehr darauf achte, ob Gelatine, etc. enthalten ist. Leider gibt es keine guten Alternativen im Supermarkt und im Versandt sind v.a. Weine meist sehr teuer.

Was für Sprüche hörst du am öftesten?

Von der „männlichen Fraktion“ etwas in der Art wie: „Ich könnte ohne Fleisch nicht überleben. So richtig blutig und lecker!“ Mein Opa ist auch oft sehr fies. Er sagt weniger blöde Sprüche, aber lacht mich immer aus, oder bietet mir Fleisch mit einem bösen Lachen an. Das verletzt mich ziemlich. Aber ansonsten krieg ich eigentlich sehr selten etwas Fieses zu hören.

Was nervt am meisten?

Mein Opa. Und andere intolerante Menschen, die es ja geben soll, die mir allerdings glücklicherweise selten begegnen.

Sagst du was wenn andere Leute in deiner Gegenwart tierisches essen?

Nein, ich versuche mich immer zurück zu halten. Meistens beginnt die Diskussion von den anderen Leuten aus. Ich habe oft das Gefühl, dass sie schon durch die Tatsache, dass eine Veganerin mit am Tisch sitzt, eine schlechtes Gewissen haben und sich rechtfertigen wollen. Überhaupt essen ganz viele seit ich vegan bin, nur noch „ganz wenig Fleisch und wenn, dann Bio“. :-)

Nimmst du Nahrungsergänzungsmittel?

Ja, ich benutze die Vitamin-B12-Zahncreme von „Santé“.

Musst du öfter zum Arzt?

Nein, eigentlich ganz, ganz selten. Das letzte Mal habe ich mein Blutbild untersuchen lassen und meine Ärztin war ganz begeistert davon, dass es so gut war. Sie war vorher auch etwas skeptisch, meinte nach dem Ergebnis aber, dass ich sie überzeugt habe, dass vegane Ernährung in jeder Hinsicht gesund sein kann. Das hat mich natürlich sehr gefreut und wenn mich jemand fragt, ob ich irgendeinen Mangel habe, erzähle ich ihm immer davon.

Hast du körperlich etwas bemerkt?

Ich habe angefangen, viel mehr Sport zu machen und merke, dass es mir besser geht. Ob das am Umstieg zu „vegan“ lag, weiß ich aber nicht.

Geistig?

Ich gehe jetzt viel bewusster durch die Welt und hinterfrage meinen Konsum – auch wenn es um Nichttierisches geht. Ich bin der Meinung, dass der Konsum oft die einzig wirkliche Macht ist, die wir haben und deswegen sollten wir uns darüber Gedanken machen. Außerdem beschäftigt man sich automatisch mit Tierrechten. Als unser alter Hund letztes Jahr starb, war für meine Familie und mich ganz klar, dass der nächste Hund adoptiert wird und nicht vom Züchter kommt. So haben wir „Sherry“ jetzt aus einer ukrainischen Tötungsstation geholt und bereuen es kein bisschen!

Gehst du manchmal vegan essen?

Ja, immer, wenn wir von „Schwäbisch Hall Vegan“ unseren Stammtisch im „Posthörnle“ haben. :-) Außerdem ab und zu ins Coox & Candy in Stuttgart – ein rein veganes Restaurant – oder ins „Velo“ in Heilbronn, ebenso rein vegan. Außerdem gerne in anderen größeren Städten (s.o.). Aber auch in Hall kommt man voll auf seine Kosten, wenn man weiß, wo.

Wo kaufst du ein?

Meistens im ganz normalen Supermarkt, z.B. Kaufland oder Netto. Dort bekomme ich das meiste. Ich würde gerne mehr Bio einkaufen, allerdings ist das momentan als Studentin noch nicht oft möglich. Die Dinge, die ich im normalen Supermarkt nicht bekomme, kaufe ich entweder im Reformhaus oder ich bestelle sie über www.alles-vegetarisch.de. Das ist das kleine vegane Schlaraffenland!

Kaufst du viele Sojaprodukte?

Ich trinke Sojamilch, benutze Sojasahne zum Kochen und esse ab und zu Sojajoghurt. Die Fleischalternativen, die ich esse, bestehen meistens aus Weizeneiweiß. Sojamilch gibt es fast täglich zum Frühstück, aber ansonsten benutze ich nicht allzu viele Sojaprodukte, würde ich sagen.

Ist der Geschmack von Veganem den tierischen Produkten ähnlich?

Beim Fleisch kann ich das fast nicht mehr sagen. Das ist aber von Produkt zu Produkt sehr unterschiedlich. Ich habe z.B. eine vegane Salami gefunden, die mich unglaublich stark an den Geschmack von Salami aus meiner Kindheit erinnert. Auch einen guten Scheibenkäse habe ich bereits gefunden. Aber mir ist die Ähnlichkeit nicht immer wichtig, vegane Produkte können auch super lecker sein ohne nach Tierischem zu schmecken. Am Anfang fand ich es total interessant, Fake- Fleisch und -Fisch zu bestellen, aber mittlerweile mache ich mir lieber frische Gemüse- oder Tofu- Bratlinge oder koche Gerichte, die nicht aus den typischen „Fleisch“ und „Beilage“ bestehen, z.B. Reispfannen oder Eintöpfe.

Ist es teurer vegan zu leben?

Das kommt ganz darauf an, wie viele Ersatzprodukte man verwendet, diese sind nämlich ziemlich teuer. Am Anfang habe ich relativ viel Geld ausgegeben, da ich alles probieren wollte, aber inzwischen koche ich mehr mit frischem Gemüse und das ist ja gar nicht teuer. Ich würde sagen, wenn man ein paar Ersatzprodukte benutzt und viel mit Gemüse kocht, ist vegan zu leben nicht teurer.

Würdest du es empfehlen?

Natürlich! Es macht einfach nur Spaß, neue Dinge kennen zu lernen und ich empfinde es überhaupt nicht als Verzicht! Man hat ein gutes Gewissen, wenn man Tieren begegnet, z.B. einem Rind auf einer Weide. Man weiß dann, dass man aus dem System ein Stück weit „raus“ ist und das viele Leid nicht mit verursacht. Man lernt auch, sein Essen viel mehr zu schätzen, kocht frischer und bewusster. Ich habe früher z.B. immer Soßen aus der Tüte gemacht, sowas gibt es bei mir nicht mehr. Außerdem freut man sich wie ein kleines Kind, wenn es etwas Neues zu kaufen gibt, z.B. veganes Eis. Es hat also auch Vorteile, wenn man nicht immer alles haben kann! :-)

Wie dachtest du früher darüber?

Ich habe mich immer darauf ausgeruht, dass ich Vegetarierin war. Für mich war das eine Ausrede, mich nicht weiter mit dem Thema beschäftigen zu müssen. Vielleicht war ich auch geistig noch nicht bereit dafür. Ich dachte immer, Veganer sind zu extrem und man bekommt Mangelerscheinungen (weil es einem immer eingetrichtert wird). Ich kannte keine Veganer und kam gar nicht auf die Idee, den Schritt zu gehen. Schließlich mussten für mich keine Tiere sterben – dachte ich.